Neuer Physikbau „CIPHOR“ der TU Berlin entsteht
Die Technische Universität Berlin plant am Campus Charlottenburg einen neuen Forschungsbau für die Physik, in dem künftig das „CIPHOR“ – das Center for Integrated Photonics Research – entstehen soll. Der Neubau wird an der Müller-Breslau-Straße 11–12 gegenüber dem Zoologischen Garten errichtet, Baubeginn ist nach derzeitiger Planung ab 2028. Finanziert wird das Projekt mit insgesamt rund 93,75 Millionen Euro, rund 31,3 Millionen Euro aus Bundesmitteln und der Rest aus Eigenmitteln der TU Berlin,
wie die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege mitteilt.
Forschungsschwerpunkte am CIPHOR
Mit CIPHOR entsteht ein spezialisiertes Zentrum für integrierte Photonik, also für Technologien, bei denen Licht und Halbleiterstrukturen genutzt werden, um Informationen zu verarbeiten, zu messen oder zu übertragen. Der fünfgeschossige Neubau soll eine Nutzfläche von knapp 4.500 Quadratmetern bieten und hochsensible Experimente der Experimentalphysik ermöglichen, unter anderem in Bereichen wie Quantenphotonik, Lasertechnik und Röntgenanwendungen. Herzstück ist ein großflächiger Reinraum im zweiten Obergeschoss, der schwingungsarm konstruiert und ohne Stützen geplant ist, um besonders empfindliche Messaufbauten und optische Experimente zu erlauben.
Die Architektur stammt vom Büro Telluride, das sich in einem mehrstufigen Vergabeverfahren gegen andere Entwürfe durchgesetzt hat. Das Gebäude wird so gegliedert, dass ein kompakter Laborkern von Büro- und Kommunikationsflächen flankiert wird; die Fassade soll diese innere Struktur sichtbar machen und wird durch begrünte Elemente und Terrassen ergänzt. Auf dem Dach sind Photovoltaikanlagen sowie Technik zur Wärmerückgewinnung vorgesehen, um den Energiebedarf der technischen Infrastruktur teilweise abzufedern.
Warum ein Neubau?
Die TU Berlin begründet das Projekt damit, dass das bisher genutzte Eugene‑Wigner‑Gebäude die Anforderungen moderner Physikforschung nicht mehr erfüllt und eine Sanierung als unwirtschaftlich gilt. Gutachterverfahren bescheinigten dem CIPHOR-Konzept gute bis exzellente Bewertungen und hoben hervor, dass nur ein Neubau die notwendige Kombination aus Schwingungsarmut, elektromagnetischer Abschirmung und moderner Gebäudetechnik bereitstellen kann. Aus Sicht der Wissenschaftsverwaltung ist der Bau zudem Voraussetzung dafür, dass die TU Berlin in Zukunft weiterhin große Drittmittelprojekte einwerben und im internationalen Wettbewerb um Talente mithalten kann.
Gleichzeitig steht der Neubau sinnbildlich für einen Kurswechsel im Umgang mit der baulichen Infrastruktur der Universität. Die TU war in den vergangenen Jahren wegen eines hohen Sanierungsstaus wiederholt in der Kritik, versucht nun aber, mit Neubauprojekten wie CIPHOR und einem neuen Mathematikgebäude ihre Infrastruktur schrittweise zu modernisieren. Für den Zukunftsort Campus Charlottenburg bedeutet der Physikneubau, dass zentrale Zukunftsfelder wie Quanten- und Halbleiterforschung künftig räumlich konzentriert und städtebaulich in ein neu geordnetes Campusquartier eingebettet werden.
Bedeutung für die Hauptstadtregion
Für den Wissenschaftsstandort Berlin-Brandenburg gilt das CIPHOR als Baustein, um die vorhandenen Stärken in Optik, Photonik und Quantentechnologien weiter auszubauen. Die Region verfügt bereits über eine dichte Forschungslandschaft in diesen Feldern, unter anderem mit Einrichtungen der Berlin University Alliance, außeruniversitären Instituten und spezialisierten Unternehmen. Mit einem neuen Zentrum für integrierte Photonik an der TU Berlin sollen diese Aktivitäten stärker gebündelt und die Bedingungen für Kooperationen mit Industriepartnern verbessert werden.
Für Studierende und wissenschaftlichen Nachwuchs bedeutet der Neubau mittelfristig, dass Lehre und Forschung in zentralen Zukunftsdisziplinen in räumlich und technisch besser ausgestattete Strukturen verlagert werden können. Die Planungen sehen zudem vor, den Campus an der Hertzallee durch neue Wege, Freiflächen und eine begrünte Promenade städtebaulich aufzuwerten, sodass das Gebäude nicht nur als Speziallabor, sondern auch als öffentlicher Ort auf dem Campus wahrnehmbar wird.

