KI-Transferwerkstatt am Werner-von-Siemens Centre for Industry and Science e. V.
Am 26. Februar fand im Reallabor des Werner-von-Siemens Centre for Industry and Science e. V. (WvSC) eine Transferwerkstatt zum Thema Künstliche Intelligenz statt, die gemeinsam mit der IHK Berlin und den Zukunftsorten Berlin sowie dem Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur als Netzwerkpartner organisiert wurde. Mehr als 160 Gäste aus Wissenschaft, Forschung, Unternehmen und Verwaltung kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen rund um KI zu diskutieren und neue Impulse für den Transfer zwischen Forschung und Praxis zu setzen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Austausch über konkrete Anwendungen von KI in Bereichen wie Unternehmensresilienz, Datenmanagement, Design und Leadership sowie über Herausforderungen und Chancen von KI-Entwicklungen in einer zunehmend datengetriebenen Welt.
Video: Eindrücke der Transferwerkstatt
Interaktives Format: Diskussion an fünf Werkstatttischen
Nach der Begrüßung durch Madlen Dietrich, Innovation-Lead am Werner-von-Siemens Centre und Nina Beike, Fachreferentin, Startups, Finanzierung und Transfer bei der IHK Berlin startete die Veranstaltung in mehrere parallele Werkstattformate. Dabei betonten die Organisatorinnen die Relevanz solcher interdisziplinären Formate, die Expertise aus der gesamten Berliner KI-Forschungslandschaft sowie Unternehmen unterschiedlichster Branchen zusammenbringen. Denn „Innovation entsteht nur beim gemeinsamen Blick über den eigenen Tellerrand und in kooperativer Zusammenarbeit“, wie Madlen Dietrich betonte. In fünf Gruppen ging es anschließend in den interaktiven und intensiven Austausch an den Werkstatttischen rund um Forschung an und praktischen Einsatz von KI-Systemen.
Insgesamt fünf Werkstatttische widmeten sich zentralen Themen der Künstlichen Intelligenz:
Werkstatt 1: KI für Unternehmensresilienz
Moderation: Madlen Dietrich, Head of Innovation & Network, Werner-von-Siemens Centre for Industry and Science e. V.
Dieser Werkstatttisch beschäftigte sich mit der Frage, wie KI-Technologien zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Unternehmen beitragen können. Diskutiert wurden unter anderem Anwendungen im Bereich der KI-Bildanalyse, beispielsweise für das Erkennen von unerlaubten Aktivitäten auf dem eigenen Firmengelände, die Kombination solcher Technologien mit Drohnen als Überwachungsinstrumente sowie die Sicherung von Daten mittels KI-basierten Cybersecurity-Systemen. Dabei gab Alexander Szanto vom Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) zunächst einen Überblick über die Gefahrenlage und auch den Einfluss von KI in diesem Geschehen. So seien die Angriffe im Cyber-Bereich zunehmend automatisiert und hätten sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs verhundertfach. 300 Milliarden Euro Schaden entstünden der deutschen Wirtschaft jährlich durch Cyberangriffe und Sabotage. Damit sei Unternehmensresilienz längst ein Thema der strategischen Handlungskompetenz.
So machte die Diskussion schnell deutlich, wie groß der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist und wie wenig Unternehmen bereits darauf vorbereitet sind. KI sei dabei ein Werkzeug, dass sowohl Lösungen zum Schutz des eigenen Unternehmens bietet, aber auch neue Sicherheitsfragen aufwirft.
Werkstatt 2: Vertrauensvolle KI-Systeme
Moderation: Dr. Dustin Schöder, Head of Research & Development, Werner-von-Siemens Centre for Industry and Science e. V.
In Werkstatt 2 standen Fragen der Transparenz und Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen sowie regulatorische Herausforderungen von KI im Fokus der Diskussionen. Schnell zeigte sich auch hier die Relevanz der strategischen Betrachtung von KI. Denn es braucht neben technischen Tools vor allem ein organisatorisches Framework, um vertrauensvolle KI umzusetzen. Wichtig sei, dass Unternehmen sich nicht verunsichern lassen, sondern auf die eigene Handlungskompetenz setzen. Denn europäische Souveränität lasse sich nicht durch reine Problemorientierung erreichen. Unternehmen müssten für sich das richtige Maß finden zwischen Transparenz und Perfektion. Politik muss hier unterstützen und den passenden Handlungsrahmen bieten, insbesondere mit Blick auf die Umsetzung des AI Act.
Werkstatt 3: KI für Creative Tech und immersive Anwendungen
Moderation: Tobias Schulze, Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur
Werkstatt 3 widmete sich Fragen zur gestalterischen Kraft von KI und dem sinnvollen Einsatz in Design und Entwicklung. Dabei standen KI-Lösungen im Bereich immersiver Anwendungen im Fokus. Denn hier kann KI bereits sehr viel leisten und deutlich effizienter und kostengünstiger XR-Anwendungen programmieren. Technik entwickelt Technik selbständig weiter. Das sei die Realität, auf die sich die Kreativbranche einstellen müsse. Und gerade hier zeigte eine durchaus positive Einstellung zur KI-Nutzung. KI wurde von den Teilnehmenden durchweg als Hilfsmittel und Werkzeug für mehr Effizienz empfunden. Insbesondere das Erkunden kreativer Gestaltungsspielräume mittels Vibe Coding stand im Fokus der Diskussion. Wichtig sei jedoch eine gesamtsystemische Betrachtungsweise, die weg von einzelnen Insellösungen hin zu vernetzten KI-Systemen geht.
Werkstatt 4: Datenmanagement und Datenqualität in industriellen Prozessen
Moderation: Steffen Terberl, Zukunftsorte Berlin
Da Daten die Grundlage jeder KI-Anwendung bilden, stand in dieser Werkstatt die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen mit Hilfe von KI-Systemen ihre Dateninfrastrukturen verbessern und Datenqualität sichern können. Dabei wurden verschiedenste Anwendungsszenarien diskutiert, in den Daten aus unterschiedlichsten Datentöpfen zusammengeführt, strukturiert und für die KI-Analyse aufbereitet werden müssen. Beispielsweise ging es um das Zusammenführen verschiedener IST-Daten aus Überwachungssystemen, Maschinen und Umgebungsdaten für Vorhersagen und Planungsszenarien sowie Anwendungsbeispiele aus dem Handwerk, wo für ein optimiertes Routenmanagement Rahmen-, Auftrags-, Personen- und Verkehrsdaten in Echtzeit zusammengebracht werden müssen. Schnell zeigte sich, dass KI durchaus ein geeignetes Hilfsmittel für die Strukturierung und Aufbereitung von Datensätzen ist, aber stets vom Anwendungsfall und auch seiner Wirtschaftlichkeit her gedacht werden muss.
Werkstatt 5: Zukunftsszenarien: Führung in KI-Zeiten
Moderation: Nina Beike, IHK Berlin
Im Zentrum der Diskussion in diesem Themenfeld stand weniger die Suche nach dem perfekten Tool, sondern vielmehr die Frage, wie sich Führung sowie das Miteinander der Menschen in einer zunehmend schnellen, unsicheren und zugleich chancenreichen Welt weiterentwickeln lassen. Insbesondere ging es darum, neue Möglichkeiten zu nutzen, Wissen zu organisieren, Entscheidungen zu treffen und kontinuierlich zu lernen. Werkstatt 5 zeigte, wie facettenreich das Thema „Führung und KI“ ist und wie viele Aspekte weiterhin unklar bleiben. Das Interesse der Teilnehmenden reichte von der Definition künstlicher Intelligenz über die zukünftigen Rollen und Verantwortlichkeiten von Führungskräften bis hin zu Fragen des Wissensmanagements.
Austausch zwischen Forschung und Wirtschaft
Ein zentrales Ziel der Transferwerkstatt war es, Perspektiven aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen. Expertinnen und Experten aus Forschungseinrichtungen, Unternehmen und öffentlichen Institutionen brachten ihre Erfahrungen und Fragestellungen in die Diskussion ein, identifizierten Anwendungsfälle, diskutierten technologische Entwicklungen und analysierten konkrete Forschungsbedarfe ausgehend von Lücken in der Praxis. Auf dieser Basis soll die Diskussion am WvSC vertiefend fortgesetzt werden, um in kleineren, themenspezifischen Runden Kooperationen anzustoßen und konkrete Projektideen gemeinsam umzusetzen.
Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung ließen die mehr als 160 Teilnehmenden den Tag bei Snacks und Getränken sowie vertiefenden Gesprächen gemütlich ausklingen. So zeigte die Transferwerkstatt, wie wichtig der interdisziplinäre Dialog zwischen Forschung, Unternehmen und öffentlichen Institutionen ist, um Wissen aus der Forschung in Anwendung zu bringen und Potenziale von KI zu heben.
Bildergalerie der Veranstaltung












Die Galerie zeigt Impressionen aus den Diskussionen an den Werkstatttischen sowie vom Austausch zwischen den Teilnehmenden aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung.

