Urbane Dörfer – digitales Arbeiten auf dem Land

Stadtmüde Digitalarbeiter suchen nach Wegen, neue, flexible Formen des digitalen Arbeitens
mit dem Landleben zu verbinden © Pixabay

Brandenburg, 19. September 2019: Wie Digitalisierung Dörfer und Land revitalisieren und dem Einwohnerschwund entgegenwirken kann, beweisen 18 Projekte aus Ostdeutschland, die die Studie „Urbane Dörfer“ vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung zusammen mit dem Think Tank Neuland21 vorstellt. Die Projekte zeigen, wie neue Technologien und Konzepte den ländlichen Raum beleben und zu urbanen Zentren für Digitalarbeiter machen.

In vielen entlegenen Landstrichen Ostdeutschlands wird das Bild durch bevölkerungsarme Dörfer und Städte geprägt, die zudem stark überaltern. Die wenigen jungen Menschen zieht es auf der Suche nach Arbeits- und Kulturangeboten in die Großstädte. Doch mit einer noch kleinen Gruppe an Digitalpionieren, meist Familienmenschen im Alter von 30 bis 49 Jahren, tut sich etwas.  Stadtmüde suchen nach Wegen, neue, flexible Formen des digitalen Arbeitens mit dem Landleben zu verbinden. So entstehen neben innovativen Wohnprojekten neue Geschäfts- und Versorgungsideen, die ortsflexibles Arbeiten ermöglichen. Noch sind es digitale Inseln, doch erfolgreiche Projekte können mehr Menschen einen Weg zum Dorf der Zukunft aufweisen, sind sich die Autoren der Studie sicher.

Brandenburg erfindet sich neu

Ein Großteil dieser Projekte ist im brandenburgischen Umland der Hauptstadt angesiedelt, gefördert vom rasanten Wachstum Berlins und seiner zunehmenden Wohnungsnot. In ostdeutschen Regionen, deren Städte bislang noch ausreichend Platz und Freiräume bieten, finden sich nur wenige bis gar keine der ländlichen Digital-Projekte.

Auffällig ist, so die Studie, dass es neue Wohn- und Arbeitsprojekte vor allem in baufällige, alte Gebäude im Ortskern zieht. Kaum vermittelbare Immobilien wie alte Krankenhäuser, Mühlen, Fabriken oder Landgüter finden so zu neuem Leben. Diese Immobilien bieten den Kreativen Platz für die Umsetzung weiterer Ideen wie Cafés, Kitas, Werkstätten oder Coworking Spaces. So entstehen ganze Wohnumfelder, die Infrastrukturen und Kulturangebote aufs Land bringen. Viele der neuen Landbewohner gehen im Kontext der Wohnprojekte beruflich noch einmal völlig neue Wege, arbeiten freiberuflich oder gründen neue Unternehmen.

Ohne Breitband geht nichts

Grundvoraussetzung für ist jedoch ein leistungsfähiges Netz mit schneller Internetverbindung. Ohne dieses seien Dörfer chancenlos, befinden die Autoren. Hier weist der ländliche Raum noch zu viele Lücken auf, wie ein Blick in den Breitbandatlas zeigt.

Ob die Projekte ein Zeichen für eine neue Bewegung „raus aufs Land“ sind, kann die Studie nicht vorhersagen. Viele Projekte sind aktuell zu jung und befinden sich noch im Aufbau. Es zeigt sich jedoch großes Potenzial für ländliche Orte, die den Chancen der Digitalisierung offen gegenüberstehen.

Die Studie wurde gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie.

Das komplette Papier finden Sie hier.


Die Projekte im Überblick

  1. Libken
  2. Gut Stolzenhagen
  3. Annagarten
  4. Hof Prädikow
  5. Gut Gorgast
  6. Hof Hackenow
  7. Haus des Wandels
  8. Zusammen in Neuendorf
  9. Uferwerk
  10. Coconat
  11. KoDorf
  12. Die Frieda
  13. Alte Mühle Gömnigk
  14. Bauernhof Grüna
  15. Freie Feldlage
  16. Lebensraum Röblingen
  17. Schwarzgestein
  18. Kloster Posa
  19. Kulturfabrik Meda